… müssen definitorisch sauber getrennt werden. Benenne ich den Wohlstand einer Person oder einer Gemeinschaft, bewerte ich, inwieweit diese ökonomisch imstande sind ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sicher wird man hierbei zugestehen, dass es ein Kontinuum von essentiellen bis zu erzeugten Bedürfnissen gibt. Dies müsste bei der Konstruktion der Skala des Wohlstands berücksichtigt werden. Der Begriff lässt sich wohl mit affluence, prosperity ins Englische übersetzen. Mit Wohlstand sind die ökonomischen Ressourcen der eigenen Handlungsfähigkeit gemeint.  Der Begriff klammert einen Vergleich zu Vermögensumständen anderer aus. Wir können alle gleichermaßen wohlhabend sein. Der Fortschritt eines Gemeinwesen muss unter anderem an seinem wachsenden Wohlstand gemessen werden. Die Gesellschaft muss die Prozesse und Verhaltensweisen fördern, die den Wohlstand aller erhalten und mehren. Eine offene Gemeinschaft  strebt den Wohlstand aller Ihrer Mitglieder an, ein Mitwirkender an einer solchen Gemeinschaft den Wohlstand  der anderen. Tatsächlich gehören die meisten von uns jetzt schon zu Gemeinschaften, die so handeln, ob es nun Familien, Nachbarschaften, Vereine oder  andere sein mögen. Diese Gemeinschaften können durch Verwandtschaft, räumliche Nähe, gemeinsame Interessen oder sogar durch Themen und Tätigkeiten gestiftet werden. So sind die Skateboarder bestimmt eine Gemeinschaft, obwohl diese weder durch Verwand- noch durch Nachbarschaft gestiftet wird.

 

Dabei muss der Wohlstand sich nicht allein auf materielle Güter gründen. Vielmehr sind materielle Güter nur die Voraussetzungen zu Tätigkeiten, die das Individuum konstituieren. Ganz basal kann ich Körperfunktionen ausüben, weil ich esse und trinke. In diesen Körperfunktionen erlebe ich mich selbst und habe auch kein Bewusstsein  außerhalb dieses Erlebens. Ein Bett ermöglicht mir den Schlaf, eine Gitarre das Musizieren etc.. Und im Erleben all dieser Tätigkeiten und dem Erleben der Auseinandersetzung mit meiner Umwelt erschaffe ich mich selbst.  Dabei erschöpft sich der Zweck vieler Dinge in der Freiheit, die ihre sporadische Nutzung mir eröffnet. So liegt auf einem meiner Schränke ein Paddelboot, dass ich pro Sommer 2-3mal nutze.  Trotzdem sind für mein Selbstbild die durch das Paddelboot ermöglichten Tätigkeit von zentraler Bedeutung. Da offensichtlich zwischen meinen Paddelausflügen auch andere das Boot nutzen könnten, ohne dass ich deswegen seltener bekäme, beschneidet seine Vergemeinschaftung  und die ähnlicher Güter meine Freiheit kaum. Gehe ich meinen Haushalt durch, gilt dies für erstaunlich viele Dinge.

 

Als reich bezeichnen wir jemanden, der mehr hat als sein Nachbar, der Durchschnitt oder andere Vergleichsgrößen. Reichtum bezeichnet ein soziales Extrem. Ein Extrem, das eine Rechtfertigung verlangt: Für das besondere Privileg muss es besondere Gründe geben. Darüber hinaus muss klar sein, dass das Privileg nicht zu Lasten anderer geht. Wenn man vorerst von einem naiven Begriff des Reichtums an materiellen Gütern ausgeht, beeinflusst der Reichtums meines Nachbarn meinen Wohlstand nicht. Die Länge seiner Protzkarre beeinflusst das Maß meines Familienautos nicht im Mindesten. Allerdings wird er wohl mehr Parkraum beanspruchen!  Sein Champagner mindert nicht das Aroma meines Feierabendbieres - außerdem kann ich das wenigstens mit den anderen Nachbarn trinken. In diesem naiven Modell muss jeder Kritiker der Ungleichheit als Neider erscheinen.

 

Diesen fiktiven Neidern werden in einem Akt präventiver Notwehr mehrere generalisierende Argumente für die Rechtmäßigkeit und Gemeinnützigkeit des Reichtums entgegengehalten. Insbesondere übrigens von Christdemokraten, die anscheinend nicht mehr viel von den Imperativen der Bergpredigt halten. Als erstes wird meist vorgebracht, die Reichen hätten ihren Reichtum verdient, da sie dafür gearbeitet hätten. Da ein Unterschied zur Allgemeinheit begründet wird, ist hier der Umkehrschluss zulässig: Diese Auffassung meint gleichzeitig, dass die Ärmeren und Armen weniger gearbeitet haben, in minderer Qualität oder gesellschaftlich weniger relevant. Stellt man sich einen  Betrieb vor, z.B. einen Juwelierladen, ist schwer zu entscheiden, wer für den Gesamtumsatz des Ladens den wichtigeren Beitrag leistet, weil die verschiedenen Arbeiten sich ja aufeinander beziehen. Am Ende wird der Laden nur Erfolg haben, wenn der Schmuck von wiedererkennbarer Qualität, die Preise angemessen, der Service gut und der Laden sauber ist. Natürlich wird der den Putzdienst verrichtende zugestehen, dass die Schmuckherstellung das Kerngeschäft sei. Die Preziosen lassen sich aber in einem schmuddeligen Laden eben auch kaum verkaufen. Dieses Bild ist gut auf eine Volkswirtschaft übertragbar.

 

Da der Status zu einem guten Teil ererbt oder zumindest nach anfänglicher Dynamik auf Dauer gestellt ist, fragt sich aber schon bei der unterschiedlichen Zuschreibung von Leistung, ob eine Gesellschaftsstruktur in der unterschiedlichen kooperierenden Tätigkeiten unterschiedlicher gesellschaftlicher Relevanz zugeschrieben bekommen, sich mit dem Maßstab der Offenheit vertragen.

 

 Ließe man verschiedenste Arbeitende ein Kartenspiel mit den prominentesten Berufen nach ihrer Relevanz für den Erfolg der Volkswirtschaft anordnen, würde diese Rangfolge kaum der der Gehälter und Vermögen entsprechen. Untersucht man, welcher Anteil eines Vermögens aus Arbeit stammt, entwickelt sich dieser Anteil zur Vermögensgröße antiproportional. Vielmehr stehen Erbschaften, Zinseinnahmen und Rentseaking im oberen Dezil  im Vordergrund.  Hiervon gibt es natürlich Ausnahmen, den zum Millionär aufgestiegenen Tellerwäscher. Diese treten auch öffentlichkeitswirksam auf. Ihre Geschichten sind glaubhaft und ihre Persönlichkeiten oft beeindruckend. Neureiche sind von den Reichen der achtbarste Teil. Das neureich ein Schimpfwort ist, sagt viel über das Selbstverständnis einer ganzen Schicht und ihrem Verhältnis zu den übrigen aus. Aber auch wenn man die Vermögen der Neuankömmlinge im oberen Dezil durch die durchschnittliche Produktivität  einer Arbeitsstunde dividieren würde, würde ein Leben nicht hinreichen, diese Stundenanzahl aufzuwiegen.  Auch wenn das Vermögen aus Arbeit stammt, gibt es eine Höhe, die sich durch den Verdienst nicht rechtfertigen lässt. Die Arbeit hat einen endlichen Zeitraum gefüllt. Dieser würde eine endliche Belohnung von dieser oder jener Höhe rechtfertigen. Aber auf ein angelegtes Vermögen entfallen Kapitalerträge verschiedener Art. Übersteigt das Vermögen eine bestimmte Größe regeneriert es sich nicht nur selbst, sondern wirft darüber hinaus eine Rente ab, die den Eigner auch reich an Einkommen macht - für immer. Damit steht einem endlichen Verdienst eine unendliche Belohnung gegenüber. Und dieses ewige Privileg wird dann eben vererbt. Das also Lohn, Gewinn und Nutzen von Arbeit gerecht sind, setzt notwendig voraus, dass aus Vermögen nur zeitlich begrenzte Privilegien folgen.

 

Ein weiteres Argument besagt, dass der Reichtum ja Konsum zeitigt, von dem andere profitieren. Tatsächlich ist ja einsichtig, dass jemand, der mehr Geld zur Verfügung  hat, von einer bestimmten Ware mehr konsumiert. Ein Hungriger wird mehr Brot kaufen, wenn er mehr Geld hat. Brot ist in diesem Fall ein superiores Gut. Jedes begehrte Gut beginnt, wenn es für den Konsumenten erreichbar wird, seine Karriere als superiores. Aber der Anstieg der konsumierten Menge steigt nicht proportional zu der des zur Verfügung stehenden Kapitals. Leicht einsichtig ist, dass bald die konsumierbare Menge an Brot erreicht ist. Das bedeutet vorerst, dass der Anteil des Budgets für Brot am Gesamtbudget sinkt. Geraten aber andere Güter entsprechender Funktion in die ökonomische Reichweite des Konsumenten , in unserem Falle zum Beispiel Kuchen, verkleinert sich das Budget  für Brot sogar absolut. Diese Abfolge gilt an sich für jedes Gut. Dies bedeutet wiederum, das der Konsum diversifiziert. Aber auch diesem Prozess sind Grenzen gesetzt. Die konsumierte Menge der verschiedenen Güter ist auch in Summe nicht unbegrenzt. Danach wird das Geld nicht einfach in Güter investiert, sondern in  die Macht, andere Konsumenten zu überbieten. Damit verzerrt der Reichtum die Preise. Die Ausgaben für den Konsum samt der Finanzierung von Exklusivität wird abgelöst von Investitionsmacht. Wie man einen anderen Konsumenten überbieten kann, kann man dies auch bei einem anderen Investor. Durch beide Eroberungen wird nichts Neues geschaffen, sondern nur ein Akteur von schon Vorhandenem ausgeschlossen. Es entsteht eine Hierarchie mit Akteuren unterschiedlicher Verfügungsgewalt. Diese bezieht sich auf Konsumgüter, Rentengüter und Investitionsgüter. Aber selbst die Macht ist ein Gut, für dessen Erhalt begrenzte Ressourcen ausreichen. Und so kennt jedes Gut den Kipppunkt von superior zu inferior. Reiche haben eine schlechte Konsumquote, Superreiche eine schlechte Investitionsquote. Eine Gesellschaft mit großen Vermögensunterschieden hat beides insgesamt, da die Anzahl derer, die nicht konsumieren (investieren) können - der Armen und die Anzahl, derer die dies nicht müssen, sich gegenseitig in die Höhe treiben. Die Trickle-down-theorie ist falsch. Bei ähnlichen Einkommen und Vermögen fällt jeweils ein größerer Anteil ab, als bei unähnlichen. Gerechte Gesellschaften sind ökonomisch dynamischer.

 

Auch für Firmen verändert die Größe des Firmenkapitals, wofür es eingesetzt wird. Bei kleinen Firmen dient es neben dem Gewinn dem Erhalt der Produktionsmittel, der Lohnzahlung und der Bewältigung der Faktorkosten. Bleibt nun noch etwas übrig, wird es zum großen Teil in Entwicklungsvorhaben investiert. Danach kommt Werbung in Betracht. Schließlich kann auch noch in die eigene Marktmacht investiert werden. Dies geschieht durch die Finanzierung aggressiv agierender Rechtsabteilung und durch Lobbyismus.  Eine durch große Firmen geprägte Volkswirtschaft ist also abnehmend mit der Produktion von Gütern und dem Angebot von Diensleistungen für jedermann oder auf am Gemeinwohl orientierter Innovation befasst, sondern zunehmend mit dem Kampf um die Monopolstellungen. Natürlich hat der Anwalt einen Nutzen davon, einen Job in der Rechtsabteilung eines  Konzerns zu finden. Und er gibt gewiss einen Teil seines Gehaltes aus. Einen weiteren Nutzen für Dritte hat sein Tun wohl kaum.

 

Das schwächste Argument lautet, dass der Reichtum ja niemandem schade. Aber wie schon angedeutet verzerrt er die Preise.  Der optimale Preis für jede Ware wird unter einer Kurve ermittelt, die jedem Preis die Anzahl der verbleibenden Kaufinteressenten zuordnet. Liegt die Zahlungskraft der verschiedenen Konsumenten weit auseinander, liegt der optimale Preis weit über dem, was sich die Armen , und weit unter dem, was sich die Reichen leisten können. Die Armen sind vom Kauf vieler Waren schlicht ausgeschlossen, was die einzige Bedeutung des Wortes exklusiv ist. Das Aussperren der Armen wird gerechtfertigt, indem das Existenzminimum als moralischer Mindestmaßstab für sie definiert wird. Es müsse ja nicht jeder am Potsdamer Platz wohnen, es muss nicht immer Gucci sein etc.. Dieser Zynismus übersieht, dass eine größer werdende Gruppe unserer Gesellschaft von weit mehr ausgeschlossen werden. Dies resultiert auch daher, dass durch die die Zahlungskraft der Reichen unterbietenden Preise diese Geld übrig behalten, dass sie u.a. in Rentengütern anlegen, die ansonsten z.B. Wohnraum für alle tragen könnten. Die Reichen bauen ihren Vorsprung dadurch nur noch weiter aus. Ihre Suche nach Investitionsmöglichkeiten wird immer schwieriger. Lässt man die Reichen -Einzelpersonen oder Konzerne - als Investoren für öffentliche Güter zu, wie die Bundesregierung für den Verkehrssektor plante, erübrigen sich dort demokratische Prozesse. Solche sind offenbar sogar demokratisch gewählten Regierungen so lästig, dass sie Deals eingehen, die die Gemeinschaft mehr kosten, als der übliche Kredit. Dieser müsste allerdings parlamentarisch bewilligt werden. Der Staat entledigt sich seines Besitzes - und raubt so der Gemeinschaft Gestaltungsräume. Die Netzwerke der Reichen kaufen sich aber über den klassischen Lobbyismus politische Macht.

 

Der Lebensstandard der Reichen wird einer  Beurteilung entzogen. Kritik wird ein Warum-denn-nicht entgegengehalten. Dieses Messen mit zweierlei Maß ist ein nicht zu unterschätzender Schaden. Für die einen gilt das Existenzminimum als Bezugspunkt und alles darüber hinaus als Großzügigkeit der Gemeinschaft gegenüber defekten Mitgliedern, für die anderen soll ihre eigene Exzentrik das Maß sein. In Talkshows wird dann darüber debattiert, dass sich Menschen wohl abgehängt fühlten. Tatsächlich wurden ganze Teile unserer Gesellschaft abgehängt. Wer zu diesen Gruppen gehört oder in Regionen lebt, in denen diese Gruppen den Großteil der Bevölkerung darstellen, und kein Wutbürger wird, müsste eigentlich als psychisch auffällig gelten. Die rechtsextreme Artikulation dieser Wut stellt bloß eine Verschiebung des Affekts auf ein anderes Objekt dar. Rechte erzürnen durch den Betrug durch die eigenen Eliten und richten diesen Zorn auf mittellose Migranten!  Diese Verschiebung macht eine Einigung mit rechten Gesinnungsträgern unmöglich. Dies gilt am linken Rand gesellschaftlicher  Entwürfe nicht. Aushandlungsprozesse mit dieser Seite oder bei fehlender Gesprächsbereitschaft die theoretische Auseinandersetzung mit ihren Standpunkten betreffen wenigstens die tatsächliche Konfliktursache.

 

Aber nicht nur der Reichtum von Individuen ist ein Problem. Auch der von Firmen und Staaten. Tatsächlich ist eine gewisse Kapitalkonzentration in einer Firma gut: Nach der Beschaffung nötiger Rohstoffe, der Bezahlung fremder Dienstleistungen und dem Erhalt der Produktionsmittel bleibt noch Geld übrig, das in Forschung und Entwicklung, Werbung und die Absicherung der eigenen Marktstellung investiert werden kann. Übertrifft die Firma ihre Konkurrenten zunehmend an Kapitalkraft, muss sie nicht mehr in F&E investieren, um den Vorsprung zu halten. Damit kann mehr in Werbung investiert werden, so dass andere Anbieter weniger Gehör erhalten. Schließlich kann mehr Geld in den Ausbau der eigenen Marktmacht gesteckt werden, also in den Verdrängungskampf. Zu Guter letzt kann Geld eingesetzt werden, um nach Steuervermeidungsstrategien zu suchen oder Geld aus Kapitalgeschäften zu generieren. Gewinnen die letzten drei Felder die Oberhand, schwindet der Nutzen der Firmenaktivitäten für den gemeinschaftlichen Wohlstand. Sie bilden genau den Wasserkopf aus, der öffentlichen Verwaltungen immer vorgeworfen wird. Aber ihr Wasserkopf enthält sich nicht nur selbst der Arbeit im Sinne des Kerngeschäfts der Firma, sondern ergreift vor allem Maßnahmen, andere Firmen von der Erschließung dieser oder verwandter Arbeitsfelder abzuhalten.  Durch Steuervermeidung behindert sie sogar die staatlichen Institutionen darin, an ihren Aufgaben für das Gemeinwesen zu arbeiten. Kippt die Verteilung der Firmenvermögen in einem Sektor zugunsten eines Oligopols oder Monopols, wird dort die Leistungsgesellschaft von einer Expansionsgesellschaft abgelöst.

 

The wealth of nations kann mit der Reichtum der Nationen übersetzt werden. Damit ist dann eben nicht ihr Wohlstand gemeint. Einfach nur, wie viel Kapital in Form von Geld, Produktionsmitteln, ausgebildeten Arbeitskräften, Rohstoffen  etc. im Vergleich zu anderen Nationen vorhanden ist. Trotzdem kann es arme Teile dieser reichen  Gesellschaft geben. Reich heißt, dass eine andere Nation, die vielfältige Wirtschaftsbeziehung zu der betrachteten unterhält, im Vergleich zu ihr wenig von diesen Ressourcen hat. In Europa kann man gerade die Folgen gut beobachten. Dem reicheren Land fließen weitere Ressourcen zu. Arbeitskräfte drängen auf ihren Markt, die den Preis der Arbeit herabsetzen. Die Reichen aus den ärmeren Ländern versuchen ihr Kapital in der sichereren Umgebung zu investieren, das Land baut seinen Handelsüberschuss gegenüber den anderen aus. In den Sektoren, in denen es die Produktion und das Angebot von Dienstleistungen ausbaut, steigt auch die Innovativität des Landes. Das Ungleichgewicht vergrößert sich. Soll die Gemeinschaft dieser Nationen nicht zerbrechen, müssen nun Hilfsmaßnahmen  für die zurückbleibenden Nationen ergriffen werden. Diese bestehen meist in der Refinanzierung der Banken und kommen den Realwirtschaften der betroffenen Ländern kaum zugute. In dieser Entwicklung haben aber auch große Gruppen im Inland das Nachsehen: Geringqualifizierte verlieren ihre Jobs, Großstädter beobachten eine Explosion der Immobilienpreise. Die Ungleichheit zwischen den Nationen verstärkt so die Auswirkungen der Ungleichheit in den Nationen. Zudem können so Rechte diesen Teileffekt für das ganze nehmen und konservative Politiker diese Stimmung als rotes Tuch, um von den in ihrer Politik liegenden Ursachen abzulenken.

 

Mir ist wichtig, dass diese Ausführungen keine Forderung nach absoluter Gleichheit sind. Einzelpersonen, die sich besonders um das Gemeinwohl verdient machen, bekommen von den übrigen Gemeinschaftsmitgliedern meist ganz selbstverständlich eine besondere Entlohnung zugedacht. Firmen brauchen je nach Sektor unterschiedliche ökonomische Ressourcen, um Forschung und Entwicklung zu finanzieren. Nur für den Reichtum einer Nation, also ihren ökonomischen Vorsprung gegenüber anderen fällt mir partout kein gemeinschaftlicher, also alle  verglichenen Nationen betreffender Nutzen ein. Der Reichtum Einzelner hat seine ganze Berechtigung im Wohlstand aller.  Wo er aus diesem nicht herleitbar ist, kann es noch eine kleine Toleranz der Gesellschaft geben. Im Grunde müssen aber sehr grundlegende Mechanismen existieren, die Reichtümer, die den allgemeinen Wohlstand nicht mehren oder ihm sogar schaden, abschmelzen und in den allgemeinen Ressourcenkreislauf reintegrieren. Da aber der Markt entgegen seiner ihm zugrundeliegenden Fiktion Ungleichgewichte hervorbringt, muss der Staat dieser Drift flexible Steuermechanismen entgegensetzen. Diese dürfen nicht mit der Pflege der Gemeinschaftsgütern vermengt werden, sondern eine ganz offene Umverteilung verwirklichen.