Im Folgenden stelle ich die Idee dar, mit der sich meine gesamten Überlegungen konkretisierten. Eine dauerhafte, sanfte Umverteilung zur Bereitstellung kleiner Unternehmenskapitalien. Wichtig daran ist, dass nicht einfach Geld umverteilt wird, sondern mit dieser eine Teilhabe an einer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe, dem Unternehmertum, ermöglicht wird. Diese Teilhabe bewirkt, dass die Anzahl derer, die die Entwicklung unseres Wirtschaftens bestimmen so ausgeweitet wird, dass die Wirtschaft demokratisiert wird. Die mathematische Trockenheit verdirbt hoffentlich nicht den Appetit.

 

sei das durchschnittliche geldwerte  Vermögen eines Mitgliedes einer Gesellschaft z.B. eines Staates. K das geldwerte Vermögen eines konkreten Individuums. Dann ist r =K/  die Reichheit dieses Individuums. Dies ist eine andere Skala als die des Wohlstandes, den ich eher als die ökonomische  Potenz zur Bedürfnisbefriedigung sehe. So könnte die Weltgesellschaft wohlhabender werden, nicht aber reicher. Eine sinnvolle Abgabe auf Vermögen würde das Ziel anvisieren, die Vermögen in einem historisch überschaubaren Rahmen anzugleichen. Diese Zeitspanne  sollte ein biografisches Pendent in der durchschnittlichen Dauer des gesellschaftlich zugestandenen Ruhestandes haben.  Dies wären in etwa 40 Jahre. Dies versöhnt zwei Kategorien, die wir üblicherweise dem Begriff der Verteilungsgerechtigkeit zugrundelegen: Gleichheit und Verdienst. Jedes Individuum kann in seiner Lebensspanne verdienten Wohlstand bzw. maßvollen Reichtum erlangen, wie es ihn verdient. Ohne weitere Leistung würden in einem Zeitraum, die seine Lebenspanne gerade übersteigt, aber alle Vermögen  angeglichen. Diese beiden Eigenheiten ergeben die folgende Formel über die prozentuale Jahresvermögensabgabe p : 

 

 

 

Daraus ergibt sich folgende Umformung

 

 

 

 

 

 

Verändert man die Zeitspanne von 40 auf einen anderen Wert z, so ergibt sich

 

 

 

 

 

 

Die Einnahmen aus dieser Besteuerung sollen als Dividende ausgeschüttet werden. Allerdings soll der Zeitraum groß gewählt werden, so dass die Ausschüttung mit den Gelenkstellen individueller Biografien zusammenfallen. Dies würde mit einem Ausschüttungszeitraum von z.B. 18 Jahren gewährleistet sein.

 

 Mit größerem z steigt p bzgl. r langsamer an. Dies kann dazu dienen, um die Umlage moderater zu gestalten, wenn sie mit anderen Systemen kombiniert wird. Daher muss es keine Lagerbildung zwischen verschiedenen Vorschlägen zur Lösung des Problems der Kapitalkonzentration geben. Teilweise beziehen sich die Vorschläge auch nur auf unterschiedliche Aspekte wirtschaftlichen Handelns. So will die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens jedem ein Mindestmaß an Konsum ermöglichen. Konsum in umfassenden Sinn, als den ökonomischen Aspekt gesellschaftlicher Teilhabe. Die Umlage der Gemeinschaftsdividende will perspektivisch Vermögen angleichen und so die Teilhabe an der Rolle des Unternehmers ermöglichen.

 

Dabei gilt es, zwei Ansprüche auszusöhnen:

 

Ich will durch meine Leistung zu Wohlstand  kommen können.

 

Die Vermögensunterschiede sollen sich in einem Rahmen aufhalten, in dem der folgende Wettbewerb als fair bezeichnet werden kann.

 

In dem Maße, wie sich Vermögen angleichen, entzerren sich Preisgefüge. Dass Vermögende Nahrungsmittel, die für andere nur schwer bezahlbar sind, aufkaufen um sie zu Kraftstoff zu verarbeiten, ist nur durch die völlig unvergleichbare Kaufkraft beider Gruppen erklärlich. Ähnliches gilt für den Wohnraum in Ballungsgebieten und vielen andern Bereichen.

 

 Die Angleichung der Vermögen ist dabei also als Prozess gedacht. Das heißt einerseits, dass sie nicht durch einen revolutionären Schnitt eingeführt wird, gegen den sich eine Gruppe  taktisch relevanter Größe wenden müsste. Andererseits ist sie eben nicht einmalig, was bedeuten würde, dass sich ohne weitere Maßnahmen, die Vermögen wieder konzentrieren würden. Anstelle des einen blutigen revolutionären Aktes treten viele im Einzelnen fast unwesentliche Verwaltungsakte. Und je weiter sich die Vermögen angleichen, desto kleiner wird der größtmögliche Faktor r, so dass auch das größtmögliche p schrumpft.

 

 

 

Für Deutsche Verhältnisse des Jahres 2007 hätte dies bedeutet:

 

 

Anteil am Gesamtvermögen

p

Insgesamt gezahlte Vermögenssteuern in €

Reichstes Zehntel

61,1 %

4,38

216243839268

zweitreichstes Zehntel

19,0 %

1,59

24195801391

drittreichstes Zehntel

11,1 %

0,26

2313772711

Summe

 

 

2,42753E+11

Pro Bundesbürger in einem Jahr

 

 

2943,535993

Ausschüttung nach 18 Jahren

 

 

 52983,64788

 

 

 

Bei der Vermögensverteilung in Deutschland ergab nur für die drei obersten Dezile eine positive Steuer. Die Mitglieder des obersten Dezils machen im Ausschüttungszeitraum je einen Verlust von 418992,72€, was im Ab  gleich mit den Einzelvermögen maßvoll sein dürfte. Die des zweiten Dezils machen 173,61€ Plus, was als Kostenneutralität durchgehen mag. Schon im dritten Dezil ist der Gewinn 418992,72€, was ein glaubhaftes Startkapital darstellt. Meine Datengrundlage ist grob, da sie auf im Internet leicht verfügbaren Angaben basiert. Bei feinerer Aufteilung in Prozente der Bevölkerung würde sich das Bild so verändern, dass noch ein größerer Anteil der Bevölkerung keinen spürbaren Verlust nach Verrechnung der Steuern mit der Dividende erleiden würde.

 

Negative Steuern wurden hier nicht beachtet, da sie nur die Ausschüttung mindern würden. Damit würde die seltene, große Ausschüttung in viele kleine zerlegt, womit sie ihren Charakter als Startkapital verlieren würde. Ein das Konsum des Einzelnen stützende Zuwendung stellt das BGE schon dar, so dass die Beachtung der Negativsteuern die Grenzen zwischen beiden Instrumenten verwischen würde.

 

Der Zeitraum z kann bei Einführung des Systems groß gewählt werden, womit die Zahl derer, die bei Verrechnung von Steuer und Dividende Verluste verbuchen, kleiner wird.  Gleichen sich die Vermögen an, wird der  realisierte Spitzensteuersatz sinken, so dass eine kürzere Zeitspanne z verkraftbar wird.

 

Die Gemeinschaftsdividende könnte auch in einer größeren Wirtschaftsgemeinschaft, z.B. der EU, Anwendung finden. Sie scheint mir dynamisierender als gängige Strukturausgleichsprogramme, da Einwohner ärmerer Regionen oder Nationalstaaten ihre Dividende wahrscheinlich  anders einsetzen als die in reicheren Regionen. Die gleiche Menge Geld ist in unterschiedlich starken Regionen auch unterschiedlich viel Wert, rechnet man sie in Grundbesitz, Arbeitsstunden, Konsumgüter oder Produktionsmittel um. Die individuell verfügbare Dividende gibt dem Einzelnen seine Autonomie zurück, die für große Teile der europäischen Bevölkerung auf eine Weise beschädigt wurde, die der politischen Rechten die Gelegenheit bietet, als Anwalt und Rächer der kleinen Leute aufzutreten. Unsere Wirtschaft sollte daher so gestaltet sein, dass jedes Mitglied der Wirtschaftsgemeinschaft als sein eigener Unternehmer auftreten kann. Die in Bezug auf die Vermögen offene Gemeinschaft liebt in all ihren Mitgliedern ihr Unternehmertum, dass sich in verschiedenen Verwendungen der Vermögen äußern kann.