Wie verändert sich das Verhalten der Gemeinschaftsmitglieder mit dem Maß an ökonomischer Gleichheit? In einer offenen Gemeinschaft verändert sich die Rolle der Konkurrenz von einem Synonym für Verdrängung hin zu einem der Differenzierung. Eine solche ergibt aber nur durch eine arbeitsteilige Kooperation einen Sinn. Kooperation und Arbeitsteilung bedingen dabei einander. Dieser Kooperation könnte man aber mangelnde Freiwilligkeit nachsagen, da sie ja durch Konkurrenz herausgetrieben wurde. In einem System, dass ein ökonomisches Gleichgewicht anstrebt, also die Konkurrenz nicht Verdrängung bedeutet, trifft dieser Vorwurf aber kaum. Verdrängung ist nur in dem Maße des Reichtums Einzelner möglich und dieser würde durch die Gemeinschaftsdividende  begrenzt. Daher ist die Frage, ob noch andere Motive der Kooperation denkbar sind.

 

Gehen wir einmal von dem Verteilungsgut schlechthin aus: Dem Boden. In Deutschland bewohnen 82,67 Menschen 357376 km2 . Dies entspricht 4322 m2 pro Person, wovon allerdings nur rund ein Viertel in Privatbesitz ist, also 1080,50m2. Letztgenannte Fläche entspricht einem Quadrat  von ca. 32m Seitenlänge. Das ist für einen Handrasenmäher ein bisschen viel, für einen Spaziergang viel zu wenig. Der Grundbesitz ist wahrscheinlich überaus ungleich verteilt und wird auch unterschiedlich genutzt. Bei dieser ungleichen Verteilung ist klar, dass die Nutzung sehr unterschiedlich ausfällt. Der eine besitzt einen Garten, der zu einem Spaziergang taugt, der andere besitzt schlicht keinen eigenen Grund. Mit überdurchschnittlichem Besitz muss man  wohl einige Strategien parallel fahren: Einen guten Teil muss  man einhegen, einen anderen gut sichtbar dem Gemeinwohl leihen, um zu belegen, dass der Eigentumsverpflichtung Genüge getan wird. Die Habenichtse dagegen brauchen keine Strategie, sie bewegen sich auf den Gemeingütern oder sind auf fremdem Gut geduldet.

 

Wäre nun jede Parzelle gleich groß würde sich  eine ganz andere Situation ergeben. Die Parzelle wäre größer, als man sie nebenberuflich warten könnte und der Spaziergang würde eben nicht hineinpassen. Gleichgroßen Grundbesitzern müsste es also  schlüssig erscheinen, das Land zu einem Guten Teil der gemeinschaftlichen Nutzung zu öffnen. Nach einer Flurbereinigung könnten die abgetretenen Teile zu Parks, Freibädern und vielem anderen mehr umgestaltet werden. Nun gibt es diese natürlich schon. Das Bild verdeutlicht bloß, dass gleichstarke Eigner ein stärkeres Interesse an der Vergemeinschaftung haben. Eine an Kooperation orientierte Gemeinschaft würde natürlich Mitgliedern, deren Rolle in der Arbeitsteilung insbesondere auf die Ressource Land zurückgreifen muss, z.B. Landwirten einen größeren Teil des Grundes überlassen.

 

Ähnliche Gedankenexperimente ließen sich mit anderen Verteilungsgütern durchspielen. Was für Gleiche gilt, gilt bei zunehmender Ungleichheit bezgl. eines Verteilungsgutes weniger. Die Verteilung des jeweiligen Gutes stellt dann einen Kompromiss zwischen Gleichverteilung, funktionaler Widmung und mittelfristiger Anerkennung von Verdiensten.

 

Unter Gleichen gibt es eine Kooperation, die über die aus der Arbeitsteilung folgende hinausgeht: Die Schaffung und Gestaltung von Gemeinschaftsgütern. Eine Gemeinschaft sollte eine relevante Ressource eben nicht restlos verteilen. Nur bei deren Gestaltung ergibt das Wort  polites einen Sinn. Schrumpft die Bereitschaft der Gemeinschaftsmitglieder, sich an dieser Gestaltung zu beteiligen, ob nun aus Überheblichkeit oder Resignation, mutieren sie zu idiotes, also zur anthropologischen Zielvorstellung der Liberalen. Zusammengenommen ergeben in modernen Nationalökonomien die Gemeinschaftsgüter das Nationalvermögen. Tendiert dieses wie inzwischen in vielen Industrieländern gegen Null, bedeutet Demokratie, dass jeder vollständig über nichts mitentscheiden darf.

 

Starke Gemeinschaftsgüter widersprechen im Übrigen der Existenz von Privatbesitz nicht. Für eine private, nicht gewerbliche Nutzung reicht weitaus weniger als die oben imaginierten Quadratmeter. In einem Park sind darüber hinaus Interaktionen möglich, die voraussetzen, dass er öffentlich ist. Z.B. der Speakers Corner würde in einem Kleingarten wenig Sinn ergeben. Ähnliches gilt auch für andere Güter. Werden den  Einzelnen ihre Bedenken gegen Übervorteilung durch Stärkere entkräftet, können sie sich bei der Gestaltung eines Gemeinschaftsgutes einbringen. Diese Gestaltung hat Synergieeffekte, die über die ursprünglich zugeschriebene Funktion des jeweiligen Gemeinschaftsgutes hinausgeht. Ein wesentlicher Effekt ist das aus der Kommunikation im öffentlichen Raum  resultierende Wissen. Dieses Wissen entsteht in allen Allmenden und stellt eine weitere Ressource des folgenden Wirtschaftens dar, ob diese nun privat oder gemeinschaftlich sind.

 

Das in den verschiedenen Allmenden generierte Wissen darf aber nicht privatisiert, darf nicht der exklusive Besitz Einzelner werden. Exklusives Wissen ist in einer Wirtschaft die Ungleichheit anstrebt von essentieller Bedeutung. In einer Wirtschaft dynamischer Gleichgewichte spielt es eine untergeordnete Rolle. Nutzen viele gleichstarke Akteure einen Wissensbestand für ihre Unternehmung werden sie sich den Markt aufteilen, z. B. nach Regionen. Diese Akteure könnten in vielen Bereichen Global Players ausstechen. Warum es weltweit agierende Getränkefirmen gibt, ohne dass diese ein singuläres, regionales Produkt haben, ist nur durch die strategische Bedeutung ihres Firmenkapitals erklärbar. Tatsächlich führen diese sich, wo sie es sich nur erlauben können, gemeinschaftsschädigend und despotisch auf. Warum die Welt Coca-Cola trinkt ist nur durch die Machtpolitik dieses Unternehmens zu erklären. Ähnliches trifft auf französischen Wein oder andere regionale Produkte nicht zu. Sie werden auch nach der Schaffung offener Gemeinschaften weiterhin eine Rolle im internationalen Handel spielen. Die Palette wird bloß durch andere regionale Produkte erweitert werden.

 

In einer Wirtschaft der Gleichgewichte würden natürlich Unternehmen weiter auf globaler Ebene agieren, die eine Funktion ausüben, die im Überschreiten regionaler Begrenzungen besteht, insbesondere Transport, Energie und Kommunikation. Mit einer Unternehmensbesteuerung, die die Streuung von Firmenkapital belohnt, würde ein Gegenstück zur Gemeinschaftsdividende und ein Ziel für ihren Einsatz geschaffen.

 

 Eine Besteuerung nach dem gewichteten Cogi würde diese Firmen bewegen, ihr Kapital stärker zu streuen. Zu den Anteilseignern könnten dann neben vielen kleinen, privaten Eignern auch Staaten und NGO´s gehören. Sowohl die breite Streuung des Firmenkapitals als auch die Existenz gemeinschaftlicher Anteile demokratisiert diese Firmen, macht sie zu überregionalen, transnationalen Allmenden.

 

Eine Wirtschaftsordnung die ein dynamisches Gleichgewicht herstellt, können die einzelnen Akteure, vom Individuum bis zu Firmen und anderen Organisationen, in der Schaffung von Gemeinschaftsgütern eine Ausweitung ihrer Autonomie sehen. Damit wird ein grundsätzlicher Widerspruch kapitalistischer Gesellschaften entschärft.