Demokratie wird mit Volksherrschaft übersetzt. Gemeint ist, dass jede mündige Bürgerin und jeder mündige Bürger, an allen Gestaltungsprozessen, die sie oder ihn persönlich betreffen oder ihre oder seine Gemeinschaft, mitsprechen und mitgestalten kann. Eine Einengung auf das Politische im Sinne der Gestaltung staatlicher Institutionen ist in dem Begriff nicht angelegt.   Demokratie ist nicht die Summe der Instrumente, die die Beteiligung der Bürger am Politikbetrieb sicherstellen. Als Gegensatz zum Politischen wurde so das Private erfunden. Der Neoliberalismus  fordert den schlanken Staat, was nichts anderes meint, als immer größere Bereiche privater Entscheidung zu überlassen. Die fortschreitende Einhegung der Gemeinschaftsgüter bzw. die fortlaufende Abwertung des Nationalvermögens vergrößert die Einflusssphäre weniger Privatiers zuungunsten der Partizipation aller. Würden alle Privatleute gleichermaßen davon begünstigt, könnte man dieses Bestreben wenigstens als fair bzw. anarchistisch bezeichnen. Das Private meint aber nicht mehr als den durch den Besitz abgesteckten Hoheitsbereich. Die Besitztümer - eben die Vermögen - unterscheiden sich so sehr, dass die Schlankheitskur des Staates gleichbedeutend ist mit der Priviligierung der einen und der Entmündigung der Übrigen.  Die Staatsdiät ermöglicht die Völlerei einiger weniger.

 

Dies gilt insbesondere für den Besitz von Produktionsmitteln. Diese wird so positiv sanktioniert, dass die eigentlichen Abhängigkeiten sich umkehren. Eigentlich ist ja ein Fabrikbesitzer auf Arbeiter angewiesen, durch die allein seine Fabrik zum Produktionsmittel wird. Da aber die meisten vom Besitz an Produktionsmitteln ausgeschlossen sind, müssen sie sich um den Zutritt zu den Produktionsmitteln bewerben. Damit werden die Arbeiter zu Arbeitnehmern. Diese  Arbeitnehmer  könnten zwei extreme Szenarien antreffen:

 

Der Arbeitsmarkt könnte von einem Superkonzern beherrscht werden. In diesem Falle wäre Teilhabe an Entscheidungsprozessen nur möglich, wenn die Belegschaft volle Mitbestimmungsrechte an allen Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen im Konzern  hat. Das andere Extrem wäre ein Arbeitsmarkt,  der aus unzähligen -  aber eben kleinen Betrieben  bestünde.  Auch wenn jeder einzelne Betrieb von einem Autokraten geleitet würde, könnten die Arbeitnehmer immer noch mit den Füßen abstimmen.  Diese Abstimmung würde die Inhaber der Betriebe schnell dazu bringen, ihre Angestellten in die für sie wesentlichen Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

 

Neben den gesetzlich garantierten Mitspracherechten  sind es vor allem die Firmenanteile, die zur Mitbestimmung befähigen. Zwischen den beiden Extremen gibt es also noch die Firma mittlerer Größe mit fair verteiltem Firmeneigentum und ausgewogenen Mitspracherechten. Ein Instrument der Firmenbesteuerung  könnte also Firmengröße und Verteilung der Firmenanteile berücksichtigen. Die Größe wird durch die Größe des Firmenvemögens hinreichend erfasst. Um die Verteilung der Eigentumsanteile zu beurteilen, nehme ich die Arbeitnehmer und die Anteilseigner zusammen. Damit bilden alle an der Firma durch Besitz oder Arbeit Beteiligten eine Gemeinschaft. Stellt man in dieser Gemeinschaft einen Index über die Verteilung der Firmenanteile auf - nach dem Schema des Gini-Indexes - erhält man ein Maß der Gleichberechtigung in der entsprechenden Firma. Tatsächlich ist die Verteilung der Firmenanteile für eine große Firma  leicht zu steuern. Stellt eine Ich-AG ihren ersten Angestellten ein, kehrt sich ein solcher Index durch einen einzelnen Neuzugang um. Dem Instrument muss noch der Aspekt der Firmengröße eingehen. Mit dieser ist ihr bilanziertes Reinvermögen gemeint. Wichtig dabei ist, dass gewährte Kredite oder Anteile an fremden Unternehmen hier als Guthaben gewertet werden müssen, damit sich Firmen nicht gegenseitig die Bilanz schönen können.

 

Beide Größen können in einem Produkt verbunden werden. Damit dies sich nicht (z.B. bei Ich-AG´s) zu 0 multipliziert kann zum Ginikoeffizienten 1 hinzuaddiert werden. Damit könnten Unternehmenssteuern proportional zum Produkt  (Ginikoeffizient+1)x relative Firmengröße gestaltet werden.

 

Durch diese Relation erhält eine kleine Firma mit gestreuten Anteilen einen niedrigen Wert und eine große mit einem großen Ungleichgewicht einen ungleich höheren. Orientiert sich eine Unternehmenssteuer an einem solchen Index, ergibt sich für Firmengröße und Anteilsverteilung je nach Branche ein bestimmtes Optimum. Dieses wird bei weitem unter dem nur durch Marktmechanismen hervorgebrachten liegen. Letzteres ist aber nach Stiglitz und Greenwald eben nicht das volkswirtschaftliche Optimum. Ab einer bestimmten Größe verlagern Firmen ihre Durchsetzungskraft von ihrer Produktivität  auf eine Marktmacht-Effektivität. Ein Optimum unter diesem würde also die Marktverzerrungen  bzgl.  der Firmengröße abmildern.

 

𝐷𝑎 𝑑𝑒𝑟 𝐼𝑛𝑑𝑒𝑥 𝑠𝑖𝑐ℎ 𝑚𝑖𝑡 𝐺=﷐﷐0﷮1﷮(𝑣﷐𝑥﷯−𝑢﷐𝑥﷯𝑑𝑥﷯﷮﷐0﷮1﷮𝑣(𝑥)﷯﷯ berechnet (wobei v die Lorenzkurve der Normalverteilung und u die Lorenzkurve unter der tatsächlichen Verteilung meint), wäre dieser bei kompletter Gleichverteilung  G=0. Multipliziert man ihn also mit der Firmengröße, erhält eine kleine Firma mit gestreuten Anteilen einen niedrigen Wert und eine große mit einem großen Ungleichgewicht einen ungleich höheren. Orientiert sich eine Unternehmenssteuer an einem solchen Index, ergibt sich für Firmengröße und Anteilsverteilung je nach Branche ein bestimmtes Optimum. Dieses wird bei weitem unter dem nur durch Marktmechanismen hervorgebrachten liegen Letzteres ist aber nach Stiglitz und Greenwald eben nicht das volkswirtschaftliche Optimum. Ab einer bestimmten Größe verlagern Firmen ihre Durchsetzungskraft von ihrer Produktivität  auf eine Marktmacht-Effektivität. Ein Optimum unter diesem würde also die Marktverzerrungen  bzgl.  der Firmengröße abmildern.

 

Eine Firma durchschnittlicher Größe mit üblich verteiltem Firmenvermögen erhält auch ein mittleres Produkt.   Dieser Wert unterteilt das Feld der verschiedenen Firmen. Ein Koordinatensystem bei dem die x-Achse die Firmengröße und die y-Achse den Verteilungsindex anzeigen würde, würde durch die Verbindungsgerade zwischen Durchschnittsgröße und Durchschnittsverteilung durchzogen. Orientiert sich die Vermögenssteuer an diesem Produkt , zahlen die Firmen unter der Geraden abgeminderte, die darüber erhöhte Steuern.

 

Stiglitz und Greenwald schildern eindrücklich, wie Firmen mit ihrer Größe auch  ihren Charakter ändern. Bis zu einer mittleren Größe steuern sie zum Gemeinwohl  Innovativität, Arbeitsmarktdynamik, Investitionsbereitschaft etc. bei. Ab einer bestimmten Größe beginnen negative Effekte wie Rentseeking, aggressives Marktverhalten, Evergreening und Holdups das Bild zu dominieren. All diese Methoden zur Ausweitung der Marktmacht beruhen aber nicht auf der Suche nach dem Weg, die Dinge besser zu machen - und tragen so auch nicht zum wachsenden Wohlstand, erst recht nicht zur Wohlfahrt  bei.

 

Eine progressive Unternehmenssteuer begrenzt solche Firmengrößen. Zudem sind die Firmen mit wachsender Größe stärker angehalten ihre Produktionsmittel an ihre Angestellten und Arbeiter zu veräußern. Damit wird der Gegensatz der verschiedenen Interessen der verschiedenen Akteure in einer Firma ein Stück weit aufgehoben. Ein Arbeiter wird einer ihn ganz erübrigenden Rationalisierung nicht zustimmen. Wohl aber einer die Qualität steigernden Innovation. Tatsächlich gibt es ja ganz alltägliche Geschäftsideen, die nicht auf einer Verbesserung des Produkts oder der Dienstleistung beruhen, sondern nur auf Tricks im Preiskampf. Das Grundmuster ist den Standard im Service so weit, wie das eine ausreichende Zielgruppe hinnimmt, zu unterbieten. Auf dieser Strategie beruhen die Marktpositionen z.B.  von Aldi (Kisten nicht auspacken) oder Eis Hennig (Eis nicht anrichten). Sind solche Anbieter erst im Markt, gewöhnen sich immer mehr Konsumenten an ihr an sich unverschämtes Servicegebaren. Die individuelle Ersparnis beruht aber letztlich auf dem Wegfall von Arbeitsplätzen. Dieser Abwärts-Verdrängungskampf richtet also wohl eher einen volkswirtschaftlichen Schaden an.  Er ist nur möglich, da die unteren Einkommensgruppen, im Glauben durch Sparen ihren Status aufbessern zu können, das Spiel bedienen. Sie sind aber die am ehesten von den negativen Effekten dieses Zirkels Betroffenen. Ähnliches gilt für die Abwärtskonkurrenz über das Drücken der Lohnkosten. Beide Strategien gehen zu Lasten der Angestellten. Das heißt, dass sie mit höherer Beteiligung dieser Gruppe am Firmenkapital an den Rand gedrängt werden. Diese Gruppe muss natürlich auch das Geld haben, um angebotene Firmenanteile zu erwerben. Dies hat sie spätestens mit der Gemeinschaftsdividende.

 

Die Mitbestimmung der vielen Kleinanleger-Angestellten würde ein anderes Gewicht auf die Hauptversammlungen bringen. Ein basisdemokratisches Chaos ist allerdings nicht zu erwarten. Die von Angestellten und Kleinanlegern vertretenen Positionen sind weniger von kurzfristigen  Verwertungsinteressen bestimmt, da solche gegen einen anderen Nutzen (z.B. den eigenen Arbeitslohn und die Bindung an die eigene Arbeit) und einen anderen Aufwand (an einem kleinen Anteil verdient der Kleinanleger kein strategisch relevantes Kapital) abgewogen werden. In den Vordergrund treten langfristigere Interessen, insbesondere die der Mitbestimmung über die Produktion. Die Firmenpolitik einzelner Firmen wird sich also auf diese konzentrieren.

 

Ein Markt auf dem sich in jedem Sektor verschiedene Anbieter bewegen, ist insgesamt stabiler. Einzelne Firmenpleiten sind dann eben nicht systemrelevant. Gleichzeitig ist ein solcher Sektor innovativer. Da die Firmengröße einer Optimierung aus den positiven Nebeneffekten der Größe und deren fiskalischem Nachteil entspringt, stellt sich für verschiedene  Sektoren eine jeweils angepasste Durchschnittsgröße ein.

 

Aber wofür sollten die eingenommenen Steuern verwendet werden. Zum einen können sie verwendet werden, die Qualität von Produkten aus Sicht der Konsumenten und der der Nachhaltigkeit zu beurteilen. Beides würde dem Wissen der Konsumenten zugute kommen. Qualität würde so zu einem Werbevorteil, so dass das Unterbieten von Standards als Wettbewerbsstrategie erschwert würde. Ein anderer Teil kann verwendet werden um einzelnen Unternehmen Innovationen von gemeinschaftlichem Interesse abzukaufen, um sie der Gemeinschaft zugänglich zu machen. Sie stehen innerhalb der Gemeinschaft allen zur Verfügung, außerhalb gilt für sie das gewöhnliche Patentrecht. Dies verschafft Firmen aus der Teilhabewirtschaft einen Wettbewerbsvorteil.

 

Hinzukommt, dass damit öffentlich finanzierte Forschung die Innovationen überprüfen und weiterentwickeln könnte. Insgesamt würde ein großer Wissenspool entstehen, dessen Inhalt ständig revidiert würde. Der Innovator müsste keine Angst vor der Verwendung seiner Innovation durch Dritte haben, da diese entweder zur eigenen Gemeinschaft gehören, in der Konkurrenz eingehegt ist, oder Lizenzgebühren zahlen müssen, wenn sie ihr nicht angehören.

 

Beide Strategien zusammen würden ein Wirtschaften fördern, in dem der Einzelne den anderen eine Teilhabe an seinen Unternehmungen ermöglichen würde. Dies erscheint aus der heutigen konkurrenzgeprägten Perspektive unverständlich. In einem Markt mit vielen Unternehmen ähnlicher Größe ist aber Konkurrenz nicht mehr mit Verdrängung konnotiert. So wie das Bierchen in Gemeinschaft besser schmeckt, wäre dann die eigene Unternehmung anregender, insoweit sich andere daran beteiligten, sie nachahmten oder ihr eigene Unternehmungen an deren Seite stellen würden. In einer offenen Gemeinschaft ist die unternehmerische Konkurrenz in eine gesellschaftliche Kooperation eingebettet.